Nachdem ich letzte Woche die einmalige Chance hatte einer Exkursion nach Oslo mit 65 Studeninnten und 6 Dozierenden aus unserem Ludwigsburger Studiengag „frühkindliche Bildung und Erziehnung“ beizuwohnen, ist dieser Blog ein guter Platz, um meine Eindrücke zusammenzufassen. Einen Vormittag habe ich in einem Barnehage (Kindergarten) zugebracht in einer Gruppe von 18 3-6jährigen Kindern und 3 Erwachsenen. Das ist der normale Betreuungsschlüssel dort; bei 1-3 jährigen kommen sogar auf neun Kinder 3 Betreuer. Spannend ist allerdings, dass von diesen 3 Personen nur eine ausgebildete Fachkraft sein muss, defacto gibt es wegen des Fachkräftemangels dort sogar noch weniger Fachkräfte, aber der Betreuungsschlüüsel wird umgesetzt. Bei unseren Besuchen in den Einrichtungen trafen wir z.B. auf Menschen, die mal eine Auszeit von ihrem Beruf nehmen und solange im Kindergarten arbeiten. Die Ausbildung von Vorschullehrern erfolgt an der Universität in einem 3-jährigen Studiengang. Ganz intensiv wird dafür geworben, Männer für diesen Studiengang und die Arbeit in Kindergärten zu gewinnen, wir konnten sehen, dass das Früchte trägt.
Spannend war es zu sehen, dass die Ausstattung der Einrichtungen gegenüber dem, was wir kannten, vergleichsweise minimalistisch war: kleine Räume, einfache Gebäude und wenige Spielsachen. Letzte Woche da in Oslo sommerliches Wetter war, konnten wir beobachten was im Sommer dort immer üblich ist, alles findet im Freien statt: spielen, essen, schlafen… Wir haben uns sogar sagen lassen, dass die Krippenkinder immer im Freien ihren Mittagsschlaf machen (bis -10 Grad) .
Sowohl im Kindergarten als auch in der Grundschule ist den Norwegern nach eigenen Aussagen der Leistungsgedanke fremd. Noten gibt es erst ab Klasse 6 und die Erziehung zu Selbständigkeit (und Freiheit) ist eine sehr zentrale Idee in Norwegen.

Die Atmosphäre in den Einrichtungen haben wir als ausgesprochen ruhig, entspannt und stressfrei wahrgenommen. Ob das aufgrund des weniger vorhandenen Leistungsgedanken, des besseren Betreuungsschlüssels, unserer positiven Einstellung mit der wir in die Einrichtungen kamen oder gar wegen des dort seit langem mal wieder schönen Wetters war, bleibt in der Tat ein norwegisches Geheimnis, dem es sich sicher lohnt bei einem längeren Aufenthalt genauer auf die Spur zu gehen.
Besonders spannend war es für mich im Kindergarten auch im Kontakt mit den Kindern zu sein, was ohne ein Wort norwegisch zu können, eine ganz spezielle Erfahrung war. Da zahlt es sich doch aus, dass ich gerne auf Mathematik achte, das lässt sich auch ohne Sprache entdecken. Als ich in der Einrichtung ankam, haben Kinder mit Legosteinen am Tisch gebaut, die sie anschließend farblich sortiert in Kisten geordnet haben. Später haben einige Kinder mit Steckperlen (Bügelperlen) Bilder gelegt, bei denen sich etliches an Symmetrie und Muster einhalten beobachten ließ. Alle Spielsachen waren in durchsichtigen Plastikboxen (von Ikea – ist sowieso alles von Ikea dort) verstaut, die mit einem passenden Bild und einer Aufschrift versehen waren, auch die Regale waren beschriftet; wie einfach kann es doch sein mathematische Anregungen zu schaffen.
Ein Vortrag an der Universität in Oslo über frühkindliche Bildung hat sehr deutlich gezeigt: Auch in Norwegen werden Diskussionnen über die Qualität der frühkindlichen Bildung, über Bildungs-Dokumentation, über „Konstantstotte“ (ist sowas wie unsere „Herdprämie“) und viele andere mir wohl bekannte Themen geführt. Was bleibt? Die Diskussionen scheinen weniger verbissen und mit mehr Freude geführt zu werden.

Mein Fazit: Es ist alles so bunt und unterschiedlich, wie es bei uns in der frühen Bildung und in Kindergärten auch ist, aber bei allen Ähnlichkeiten fühlt es sich dennoch sehr verschieden an.

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Im Bachelorstudiengang Frühkindliche Bildung und Erziehung gebe ich im Wahlmodul Mathematik in diesem Semester eine Lehrveranstaltung zum Thema „Mathematische Lernumgebungen“. Einige Essenzen aus unserer sehr spannenden und intensiven Auseinandersetzung mit dem Begriff  „Mathematische Lernumgebungen“ besonders auch im Hinblick auf den Einsatz von Lernumgebungen im Kindergarten möchte ich gerne mit euch teilen.

Was kann unter einer mathematischen Lernumgebung verstanden werden?
Vergleiche für die folgenden Ausführungen Wollring (2007)
Für Mathematikunterricht in der Schule bedeutet mathematische Lernumgebung, dass eine Arbeitssituation bestehend aus einer felxiblen großen Aufgabe (Netzwerk kleiner Aufgaben) geschaffen wird, in der aktiv entdeckendes und soziales Lernen ermöglicht und unterstützt wird.
Dafür braucht es einen mathematischen Inhalt, der für die Schüler Sinn gibt (Lebensweltbezug oder „mathematische“ Attraktivität). Veschiedene Formen von Artikulation wie Handeln, Sprechen, Schreiben sollen in der Lernumgebung impilziert sein. Es muss sowohl Raum zum Gestalten („Spiel-Raum“), in dem ein felxibler Umgang mit Materialien stattfindet, als auch Raum zum Behalten (Dokumentationen) geben. Lernumgebungen sollten Raum für natürliche Differenzierung geben, d.h. auf verschiedenen Leistungsniveaus zu bearbeiten sein. Lernumgebungen sind durch bestimmte logistische Überlegungen in ihrem Umfang und ihrer Durchführung begrenzt. Es werden Materialien benötigt und zwar solche, die von den Kindern aufgebraucht werden und solche, die wiederverwendet werden können. Es wird Zeit benötigt. Ein ökonomischer Umgang mit dieser Ressource im Hinblick auf Vorbereitung und Durchführung ist unabdingbar. Im Sinne der Qualitätssicherung sollten im Rahmen einer Lernumgebung die Kompetenzen einzelner Schüler oder Gruppen evaluiert werden genauso der Beitrag einer Lernumgebung zum Unterricht. Es sollte eine Vernetzung der Lernumgebungen zu anderen Inhaltsbereichen/Fächern vorhanden sein.

Was heißt das für Lernumgebungen im Elementarbereich?
Vergleiche hierzu Wollring (2006)
Für den Elementarbereich wird statt Lernumgebungen der Ausdruck Förderumgebungen gewählt. Ausgangspunkt ist hier nicht der mathematische Anlass sondern ein Spielanlass. Es geht darum in Spielsituationen von Kindern Handlungen und Äußerungen zu finden, die Ausgangspunkt für Mathematiktreiben sein können. Eine Förderumgebung muss besonders Raum zum Gestalten geben. Das Gewicht liegt hier auf dem „Spiel-Raum“.

Daraus und aus unseren eigenen Überlegungen ergeben sich für uns die folgenden Kriterien.

Eine mathematische Lernumgebung im Kindergarten soll:
– durch eine anregungsreiche, motivierende Umgebung, Neugier wecken
– Mathematik auf den unterschiedlichsten Wegen interaktiv erlebbar machen
– selbständiges Lernen fördern
– anregen zum Experimentieren
– positives Lernklima erzeugen
– freiwillig sein
– ansprechende Materialien anbieten
– ausreichend Zeit zur Verfügung haben
– durch eine motivierte, neugierige, interessierte Pädagogin, mit der Fähigkeit zu Mathematisieren, angeboten werden
– Sinn machen
– zu Kommunikation und Reflexion sowie Lernen in der Gruppe anregen
– Spuren bei den Beteiligten hinterlassen (Intellektuell und zum Anfassen)

Literaturangaben

Wollring, B. (2006): Kindermuster und Pläne dazu – Lernumgebungen zur frühen geometrischen Förderung. In Grüßing, Meike; Peter-Koop, Andrea (2006): Die Entwicklung mathematischen Denkens in Kindergarten und Grundschule. Beobachten – Fördern – Dokumentieren. Offenburg.

Wollring, B. (2007): Zur Kennzeichnung von Lernumgebungen für den Mathematikunterricht in der Grundschule. http://www.sinus-transfer.uni-bayreuth.de/fileadmin/MaterialienIPN/Lernumgebungen_Wo_f_Erkner_070621.pdf (Zugriff 12.05.2009)

Ich habe heute einen sehr spannenden Bericht über die wissenschaftliche Begleitung des Studienganges „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ an der ASFH Berlin gelesen.
Hier mehr lesen!
Dabei ist ein Aspekt der sehr enge Rahmen und damit die Gefahr der Verschulung des Studiengangs. Der Autor macht die Aussage, dass es in Deutschland bei den Bachelor-Studiengängen eine Tendenz zur Verschulung gibt. Das ist etwas, das auch die Studierenden des Bachelor Studienganges Frühe Bildung an unserer Hochschule beklagen.
Ich frage mich, ob sich die Verschulung negativ auswirkt und ob negative Auswirkungen auf alle Studienbereiche entstehen? Ich vermute, dass sie sich nicht grundsätzlich negativ auswirkt, aber möglicherweise auf solche Studienbereiche/inhalte, die aus der Schule bekannt sind.
Ich gebe Lehrveranstaltungen im Bereich der Mathematik für Studierende des Studienganges „frühkindliche Bildung und Erziehung“ und könnte mir vorstellen, dass gerade hier Nachteile durch die verschulte Struktur entstehen. Bei vielen Studierenden sind negative Schulerfahrungen im Hinblick auf Mathematik präsent, diese könnten durch die verschulte Struktur in den Vordergrund geraten und ein unbeschwertes Einlassen auf die mathematischen Themenfelder (selbst Mathematik erfahren, Mathematik im Kindergarten, Mathematik im Alltag) stören. Dadurch wird den Studierenden die Chance genommen Mathematik unbeschwert zu entdecken und damit auch erheblich erschwert die Studierenden auf die „mathematischen“ Herausforderungen in ihrem Berufsfeld vorzubereiten. (–> siehe Beitrag zu „numeracy“).

Im Hinblick auf mathematische Fähigkeiten von Vorschulkindern, ist mir der Begriff „numeracy“ begegnet. Ich denke er ist dem Ausdruck literacy entlehnt, der für die Vorerfahrungen im Hinblick auf das Lesen und Schreiben lernen steht. Dann müsste „numeracy“ also bedeuten Vorerfahrungen im Hinblick auf Zählen und Rechnen. Im Gegensatz zu literacy, der als ein Bereich der Sprachentwicklung gesehen wird, wird numeracy oder auch was damit gemeint ist, sehr oft als einzige oder wichtigste Fähigkeit im Hinblick auf „mathematische“ Entwicklung gesehen. Es käme aber niemand auf die Idee davon auszugehen, dass Kinder die keinen angemessenen Wortschatz haben oder die Grammatik nicht beherrschen ein Programm in literacy erhalten und dann auf die Schule vorbereitet wären. Warum also wird das für die mathematische Entwicklung so anders gesehen? Mathematische Fähigkeiten sind doch viel mehr als „numeracy“. Mag sein, dass numeracy wichtig ist, um gute Schulleistungen in Mathematik zu erreichen, aber andere mathematische Fähigkeiten sind immens wichtig um insgesamt im Leben und der Schule zu bestehen (Muster erkennen und verstehen, Klassifizieren und ordnen von Dingen, sich im Raum zurecht finden…).
Es ist üblich, dass in Kindergärten eine Sprachförderung stattfindet und Kinder im Hinblick auf ihre Sprachfähigkeiten eingeschätzt werden, dabei ist literacy ein Bereich und die Förderung findet nicht in erster Linie (im Bereich „literacy“) statt, damit die Kinder gute Deutschnoten bekommen. Ich denke auch im Hinblick auf die mathematischen Fähigkeiten muss man dahin kommen, dass man erkennt, dass „numeracy“ nur ein Bereich der matematischen Entwicklung ist und so viele mathematische Fähigkeiten mehr von den Kindern erworben werden (müssen, damit sie bestehen können). Auch diese müssen in den Blick genommen und gegebenenfalls gefördert werden. Sehr oft gibt es gerade in diesen mathematischen Bereichen besonders große Schnittmengen zu sprachlichen Fähigkeiten, so dass beides zusammenhängt und auch nicht komplett isoliert voneinander betrachtet werden darf.

Ich finde die Idee von Lernen durch Lehren ziemlich spannend, aber auch schwer zu fassen. Ist das jetzt ein Konzept, eine Methode, ein Unterrichtsprinzip oder vielleicht doch eher eine Lebenseinstellung (die man als Lehrer haben könnte bzw. sollte)?
Lernen durch Lehren als Lebenseinstellung: Wenn ich Schüler (bzw. Studenten) unterrichte versuche ich möglichst viel über die herauszufinden (also über sie zu lernen) außerdem kann ich jede Menge von denen Lernen (die haben oft gute Ideen, spannende Gedanken…) Vielleicht am wichtigsten ich kann dabei auch jede Menge über mich lernen, über meine Stärken, Schwächen, Ticks,
Schüler sind ja sehr oft beschäftigt mich als Lehrer zu spiegeln. Vielleicht muss es ja beim Lernen durch Lehren gar nicht darum gehen so viel über einen bestimmten Inhalt zu lernen sondern sich als Person weiterzuentwickeln. Wenn ich all diese Lernerfahrungen durch Lehren mache, können meine Schüler (Studierenden) sie vielleicht auch machen, wenn ich ihnen die Möglichkeit dazu gebe.

Hello world!

26. Januar 2009

Das ist mein erster Blog .

Ich möchte hier über das Lehrersein philosophieren, in der Schule und an der Hochschule. Viele Fragen bewegen mich. Euch auch?

  • Was ist/wäre für mich ein guter (Mathe-)Unterricht?
  • Was erzählen Studierende über ihre (guten) Matheunterrichtserfahrungen?
  • Wo begegnet uns Mathematik? Wo begegnet Kindern Mathematik?
  • Müssen Kinder schon vor der Schule für Mathematik begeistert werden, oder sind sie es sowieso?
  • Wie(so) gelingt es in der Schule (nicht) die Begeisterung zu erhalten?
  • Was sollten Kinder schon vor der Schule mathematisch drauf haben? -Wie finde ich das raus? – Muss ich es fördern oder kommt es von alleine?
  • Sollen alle Kinder am Ende des Mathematikunterrichts einen Mindeststand gelernt haben? – Wie kann ich die Schüler ggf. dorthin bringen?
  • Wie kann ich besonders begabten Kindern (Studierenden) gerecht werden?