Ich habe heute einen sehr spannenden Bericht über die wissenschaftliche Begleitung des Studienganges „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ an der ASFH Berlin gelesen.
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Dabei ist ein Aspekt der sehr enge Rahmen und damit die Gefahr der Verschulung des Studiengangs. Der Autor macht die Aussage, dass es in Deutschland bei den Bachelor-Studiengängen eine Tendenz zur Verschulung gibt. Das ist etwas, das auch die Studierenden des Bachelor Studienganges Frühe Bildung an unserer Hochschule beklagen.
Ich frage mich, ob sich die Verschulung negativ auswirkt und ob negative Auswirkungen auf alle Studienbereiche entstehen? Ich vermute, dass sie sich nicht grundsätzlich negativ auswirkt, aber möglicherweise auf solche Studienbereiche/inhalte, die aus der Schule bekannt sind.
Ich gebe Lehrveranstaltungen im Bereich der Mathematik für Studierende des Studienganges „frühkindliche Bildung und Erziehung“ und könnte mir vorstellen, dass gerade hier Nachteile durch die verschulte Struktur entstehen. Bei vielen Studierenden sind negative Schulerfahrungen im Hinblick auf Mathematik präsent, diese könnten durch die verschulte Struktur in den Vordergrund geraten und ein unbeschwertes Einlassen auf die mathematischen Themenfelder (selbst Mathematik erfahren, Mathematik im Kindergarten, Mathematik im Alltag) stören. Dadurch wird den Studierenden die Chance genommen Mathematik unbeschwert zu entdecken und damit auch erheblich erschwert die Studierenden auf die „mathematischen“ Herausforderungen in ihrem Berufsfeld vorzubereiten. (–> siehe Beitrag zu „numeracy“).

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Im Hinblick auf mathematische Fähigkeiten von Vorschulkindern, ist mir der Begriff „numeracy“ begegnet. Ich denke er ist dem Ausdruck literacy entlehnt, der für die Vorerfahrungen im Hinblick auf das Lesen und Schreiben lernen steht. Dann müsste „numeracy“ also bedeuten Vorerfahrungen im Hinblick auf Zählen und Rechnen. Im Gegensatz zu literacy, der als ein Bereich der Sprachentwicklung gesehen wird, wird numeracy oder auch was damit gemeint ist, sehr oft als einzige oder wichtigste Fähigkeit im Hinblick auf „mathematische“ Entwicklung gesehen. Es käme aber niemand auf die Idee davon auszugehen, dass Kinder die keinen angemessenen Wortschatz haben oder die Grammatik nicht beherrschen ein Programm in literacy erhalten und dann auf die Schule vorbereitet wären. Warum also wird das für die mathematische Entwicklung so anders gesehen? Mathematische Fähigkeiten sind doch viel mehr als „numeracy“. Mag sein, dass numeracy wichtig ist, um gute Schulleistungen in Mathematik zu erreichen, aber andere mathematische Fähigkeiten sind immens wichtig um insgesamt im Leben und der Schule zu bestehen (Muster erkennen und verstehen, Klassifizieren und ordnen von Dingen, sich im Raum zurecht finden…).
Es ist üblich, dass in Kindergärten eine Sprachförderung stattfindet und Kinder im Hinblick auf ihre Sprachfähigkeiten eingeschätzt werden, dabei ist literacy ein Bereich und die Förderung findet nicht in erster Linie (im Bereich „literacy“) statt, damit die Kinder gute Deutschnoten bekommen. Ich denke auch im Hinblick auf die mathematischen Fähigkeiten muss man dahin kommen, dass man erkennt, dass „numeracy“ nur ein Bereich der matematischen Entwicklung ist und so viele mathematische Fähigkeiten mehr von den Kindern erworben werden (müssen, damit sie bestehen können). Auch diese müssen in den Blick genommen und gegebenenfalls gefördert werden. Sehr oft gibt es gerade in diesen mathematischen Bereichen besonders große Schnittmengen zu sprachlichen Fähigkeiten, so dass beides zusammenhängt und auch nicht komplett isoliert voneinander betrachtet werden darf.